Künstler designen mit Edelstahlrohr und
Rohrbögen
Künstler gelten ja meist als feinsinnige, zart besaitete Menschen. Doch
einige unter ihnen haben nun ihre “harte Seite“ entdeckt – in Edelstahl. So erfreut sich Edelstahl unter den
Bildnern von Skulpturen immer größerer Beliebtheit. Mit einem Edelstahlrohr werden verwinkelte Skulpturen geformt. Die Gründe für diesen Trend sind nahe
liegend. So lässt sich Edelstahl in vielerlei Form bringen und ist gleichzeitig dennoch immer stabil und
standfest. Zudem machen sich die Künstler auch die Oberflächeneigenschaften des Stahls zu Nutze, um optische
Effekte zu erzielen. Schließlich kann Stahl sowohl von matter als auch von glänzend polierter Erscheinung sein.
Besonders gern gesehen sind dabei die unverkennbaren Muster des Damaszenerstahls. Allerdings ist die Herstellung
sehr aufwendig.
Auch der Künstler Gwendolin Götz hat den Stahl für sich entdeckt. Die
Vorzüge dieses Werkstoffes hat er sich in vielen seiner jüngsten Werke zu Gunsten gemacht. So fertigte er eine
Skulptur, die eine zwei Meter große Feder darstellt. Es ging ihm dabei darum, das symbolisch weiche mit dem
stofflich Harten zu verbinden. Und Edelstahl war dafür genau das richtige Material. Gwendolin Götz bewies ebenfalls
Witz und Charme bei der Namensgebung seiner Skulptur. Er nannte das ru7nd 107 Kilogramm schwere Kunstwerk
“Federleicht“. Angestachelt von diesem Erstlingswerk in Edelstahl hat Gwendolin Götz bereits zahlreich neue
Entwürfe in seiner Schublade, die nun ihrer Realisierung harren. Einige dieser Entwürfe seien an dieser Stelle nun
vorgestellt.
So plant der ehrgeizige Künstler einen Fußball maßstabsgetreu in
Edelstahl zu fertigen. Dieser Fußball soll dann nicht etwa in der Glasvitrine enden sondern unscheinbar den Boden
der Eingangshalle zieren, sowie Gwendolin Götz seine Ausstellung startet. Daneben eine kleine Aufschrift: “Can you
kick it?“ Die Idee kam Herrn Götz als er einen Freund im Krankenhaus besuchte, der sich einen Mittelfußbruch
zugezogen hatte. Ferner will er ein menschliches Nervengeflecht aus Stahl fertigen. Das Motto: “Nerven aus Stahl.“
Ein besonders geistreiches Stück dürfte die Skulptur eines Mannes werden, der sich fragend und verzweifelt zugleich
mit der einen Hand in die Hosentasche und mit der anderen in die Innentasche des Jacketts fährt. Das Motto zu
dieser Skulptur soll lauten: “Dieb Stahl“. Des Weiteren ist ein stählernes Kissen in Planung (hier soll auch mit
dem Muster des Damaszenerstahls gearbeitet werden). Das Motto für dieses Kissen: “Sei nicht so hart zu mir.“
Bemerkenswert ist ebenfalls die stählerne Rekonstruktion dreier Boxsäcke mit dem provokanten Motto: “Sind sie zu
hart, bist du zu schwach.“
Man sieht also, dass Gwendolin Götz vor Schaffensfreude strotz. Anteil
hat daran, seiner Meinung nach, der Edelstahl, in dem er eine neue Lebensaufgabe sieht. Die Idee kam dem Künstler,
der somit als Pionier der Edelstahlkunst gelten darf, beim Aufräumen zu Hause, als ihm die wunderbaren
Proportionen von Rohrbögen auffiel. Der künstlerische Wert ist ihm dabei nach eigener Aussage sofort ins
Gesicht gesprungen. Das tat zwar ein bisschen weh, aber die Erkenntnis war es wert. Und seither ist der Künstler
nach eigener Aussage in einer der arbeitsintensivsten Phasen seines künstlerischen Daseins zahlreiche
Kunstmuseen melden jetzt schon großes Interesse an den Exponaten. Doch Gwendolin Müller will erst seine Ideen
allesamt in die Tat umsetzen und eine eigene Ausstellung anstreben, ehe er einzelne Stücke zum Verkauf
freigibt.
Den Rundbogen, mit dem alles angefangen hat, besitzt der Künstler heute
noch. Er bewahrt ihn als Muse in der Schublade im Schreibtisch seines Ateliers, das zunehmend einer Schmiede
gleicht, auf. Und zwar aus künstlerischem Aberglauben, wie Gwendolin Götz zugibt. Derzeit arbeitet der Künstler an
einem Mobile, das aus vielen kleinen Hunden mit auffallendem Muster besteht. Er nennt es “101
Damaszener“.
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